Mustang Cabrio

Wer träumt nicht davon, mit einem Cabrio durch Californien zu cruisen? Was tut man also - man mietet eins wochenlang im Voraus von Deutschland aus. Am Abholtag kamen wir früh bei Alamo an. Der Vermieter schaute sich den Voucher an und teilte uns mit: "Cabrio hab ich nicht". Damit war das Gespräch für ihn beendet und er wandte sich anderen Kunden zu. Ich mußte erst dieses und ein weiteres Gespräch stören, um wieder seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu erhalten. Er ließ sich herab, mit anderen Verleihstationen zu telefonieren, um mir dann mitteilen zu können, daß es in Frisco 17 Cabrios, aber 49 Vorbestellungen gäbe. Ob wir unser Cabrio überhaupt in der Woche noch kriegen würden wäre ungewiß. Wir entschieden, daß wir nicht unseren Urlaub bei Alamo verbringen wollten und forderten ein anderes Fahrzeug. Aber auch das bereitete Probleme: er hatte überhaupt kein einziges Auto verfügbar. Damit war die Sache für ihn erneut erledigt, nicht aber für mich. Ich eilte auf jeden zur Tür hereinkommenden Kunden zu, teilte ihm mit, daß leider keine Fahrzeuge zu vermieten wären, und geleitete jeden zur Tür. Seltsamerweise ließen sich die Kunden das einfach gefallen. Der Vermieter bat mich, sofort damit aufzuhören. "Ich höre erst auf, wenn ich ein Auto kriege". Dann kam eine Gruppe und brachte ein Auto zurück. Das wollte er mir aber nicht geben: erstens wäre es ein Van, also nicht unsere Fahrzeugkategorie, und zweitens wäre der Wagen vorbestellt. Also machte ich fröhlich weiter den Rausschmeißer. Nach dem 3. Kunden erkannte der Verleiher, daß es mir wohl wirklich ernst sein mußte und er gab mir tatsächlich den Van. Und so machten wir unsere Rundreise statt im Cabrio im Chevrolet Astro Van, der eigentlich für 8 Personen ist. Im Nachhinein muß ich aber sagen, daß wir mit dem Van - im wahrsten Sinne des Wortes - wesentlich besser gefahren sind als mit dem Cabrio.

P.S. die nächste Rundreise machten wir gleich im Van

Carnelian Room

Nach einem anstrengenden Tag Sight-seeing fragte ich an der Rezeption meines Hotels, wo man wohl noch hingehen könne. Man gab mir den Tipp, im Carnelian Room, einer Bar im 50. Stock der Bank of Amerika, ein Bier zu trinken. Von außen deutete nichts auf eine Bar hin und ich fühlte mich veralbert. Aber ich fragte den Wachmann, der mich freundlich zum Express-Aufzug brachte. Die Bar ist eigentlich für Gäste des benachbarten Nobel-Restaurants gedacht. Mein Wunsch, nur etwas trinken zu wollen, verwunderte den Mann am Empfang zwar etwas, aber ich bekam einen Tisch in dritter Reihe vom Fenster. Ein arrogant wirkender Ober brachte mir mein Bier. Ich genoß den Ausblick auf Alcatraz, die Golden Gate Bridge etc und bestellte ein weiteres Bier, später noch eins. Mit jeder Bestellung wurde der Kellner freundlicher, was schließlich darin gipfelte, daß er kam und sagte: Sir, ich habe ihnen einen Fensterplatz reserviert. Er hatte wirklich in der vollbesetzten Bar einen frei werdenden Tisch direkt am Fenster für mich gesperrt. So saß ich bis in die Nacht im 50. Stock, nur durch die Scheibe von der Tiefe getrennt, schaute mir das Treiben in der Stadt von oben an und trank eine nicht unerhebliche Zeche zusammen. Wovon sich aber jeder Cent gelohnt hat.

Hearst Castle

Wir fuhren die Küstenstraße entlang. Im absoluten Niemannsland wies ein Schild auf Hearst Castle, die Sommerresidenz von William Randolph Hearst, hin. Da es noch recht früh am Tag war, beschlossen wir, dieses doch eben zu besuchen. Man stelle sich unser Erstaunen vor, auf ein Visitor Center zu stoßen, daß bezüglich Größe und Ausstattung an den Stuttgarter Flughafen erinnert. Auch an eine kurze Besichtigung war nicht zu denken. Es gab 4 fest vorgegebene Touren, von denen 3 auf Tage hinaus ausgebucht waren. Wir gönnten uns die Pool- und Bibliotheksführung. Zunächst wurden wir an einem Gate des Busbahnhofs in einen Bus verladen. Dann wurden wir aufgefordert, die Kaugummis zu entfernen, um diesen Meilenstein der amerikanischen Geschichte nicht zu verunreinigen. Beim Aussteigen wurde das tatsächlich kontrolliert. Mr Hearst hat Exponate zusammengesammelt, deren Zusammenstellung in zeitlicher, stilistischer und geographischer Hinsicht jedem Kunsthistoriker den Angstschweiß auf die Stirn treiben würde. Sehenswert ist es aber trotzdem.

Motel in L.A.

Nach einem kompletten Tag im Auto erreichten wir spät abends die Stadtgrenze von L.A. Wer die Ausmaße der Stadt kennt, weiß, daß damit an sich noch gar nichts erreicht ist. Wir beschlossen also, nicht lange rumzufahren, sondern das erstbeste Motel zu nehmen. In einem Industriegebiet wurden wir fündig. Das Office sah extrem einladend aus: vergitterte Türen und Fenster und ein Nachtschalter aus kugelsicherem Glas. Der Angestellte nahm alles sehr genau, wollte Ausweise und Zulassung des Wagens sehen (der einzige während all der Tage in den USA). Dann gab er uns die Key-Card fürs Zimmer. Wir wuchteten die Koffer die Treppe hoch, öffneten die Tür. Ich tastete nach dem Schalter, machte das Licht an, da schossen 4 Männer aus ihren Betten hoch. Den Bruchteil von Sekunden herrschte verwirrte Stille, dann packte ich Nora und die Koffer und rannte Richtung Rezeption. Woher sollte ich wissen, ob die Jungs nicht bewaffnet waren. Die 4 Typen rannten hinter uns her. Vor dem Nachtschalter gab es wilde Diskussionen, bis die Kerle begriffen, daß wir keine Einbrecher waren, sondern der Rezeptionist einen Fehler gemacht hatte.

Tanken 1

Erstaunlicherweise gibt es in den USA mehr verschiedene Tank- und Zapfsäulensysteme als ethnische Volksgruppen. Im Laufe der Zeit lernt man jedoch, alle zu beherrschen. So fuhren wir an eine riesige Tankstelle. Ich wählte die Option des Zahlens mit der Kreditkarte direkt an der Säule. Die Säule wurde freigegeben, ich begann zu tanken. Nachdem Benzin für 4 Cent geflossen war, brach der Vorgang ab. "Was hab ich denn jetzt schon wieder falsch gemacht?" Egal. Das ganze nochmal. Diesmal tankte ich für 7 Cent. Langsam begann ich, an mir zu zweifeln. Ich schaute mich um. An allen Säulen standen Leute und tankten, der Tankwart schaute teilnahmslos aus seinem Fenster. Also nochmal. Diesmal war bei 3 Cent Schluß. Jetzt sah ich, daß auch alle anderen irgendwelche Probleme hatten. Wir gingen zum Tankwart. Völlig regungslos teilte er uns mit: "Wir haben kein Benzin. Die nächste Lieferung kommt heute oder morgen". Wohl dem, der Schilder schreiben kann. Ich habe übrigens für alle Tankvorgänge Kreditkartenabrechnungen bekommen.

Busfahren in Seattle

Die höchste vollendete Form des Personennahverkehrs lernte ich in Sattle kennen. Ich wohnte nordlich des Lake Union und der Weg in die Stadt war ewig weit. Also beschloß ich, den Bus zu nehmen. Das System ist absolut simpel und idiotensicher. Fährt man in Richtung Stadt, zahlt man beim Einsteigen. Es gibt nur 2 Tarifzonen. Egal, wie weit man tatsächlich fahren möchte, man zahlt immer den in der Zone geltenden Fahrpreis. In der direkten Innenstadt ist der Bus kostenlos. Fährt man aus der Stadt raus, zahlt man beim Aussteigen. Wieder ist der für die Zone geltende Betrag zu entrichten, unabhängig davon, wo man eingestiegen ist. Das System fand ich toll und benutzte den Bus mehrmals täglich. Dabei stellte ich fest, daß er, je nach Verkehrsaufkommen, verschiedene Wege nutzte. Ich wollte vom Fahrer wissen, was denn mit den Fahrgästen passiert, die an den ausgelassenen Haltestellen warten. Seine Antwort: "Die nimmt der nächste mit. Warum sollen die fünfzig Leute, die ich im Bus habe, zu spät kommen?" Ein weiteres Highlight des Busfahrens: ich wollte unbedingt mit der Magnetschwebebahn zur Space Needle fahren, wußte aber nicht, wo die entsprechende Station ist. Ich fragte den Busfahrer, wie man da hinkommt. "No problem", er verließ mit dem riesigen Gelenkbus die übliche Route und setzte mich direkt vor der Tür der Magnetbahnstation ab, obwohl dort weit und breit keine Bushaltestelle zu sehen war.

Tanken 2

Wir sollten den Wagen vollgetankt in Las Vegas abgeben. Also ab zur nächsten Tankstelle. Ein Schild besagte: Zahlen Sie vor dem Tanken. Ich ging mit der Kreditkarte rein. "Sorry Sir. Cash only". "Wie soll ich wissen, wieviel ich brauche?" Achselzucken. Also schätzte ich 20 Dollar, zahlte und tankte. Es reichte nicht. Ich zahlte 10 Dollar, tankte und es reichte immer noch nicht. Ich zahlte weitere 10 Dollar, tankte für 5,87 und bakam den Rest wieder ausgezahlt. Warum einfach, wenn es kompliziert geht?

Motel in Moab

Wir wollten am Wochenende in Moab übernachten, um von dort aus Canyonlands und Arches National Park zu besuchen. Als anerkannter Gegner des Vorausbuchens von Motels hatte ich natürlich auch hier darauf verzichtet, hatte aber im Internet nachgeschaut und festgestellt, daß es dort weit über 50 Motels gibt. Am frühen Abend kamen wir an. "No vacancy". Von Absage zu Absage wurden wir unruhiger. Ich erinnerte mich, am Highway ein Motel gesehen zu haben. Wir fuhren das ganze Stück zurück. "No vacancy". Die nächsten Motels waren mehr als eine Stunde entfernt bei Grand Junction, Colorado. Also auf nach Grand Junction. Dort angekom men: "No vavancy". Völlig frustriert baten wir einen Motel-Manager um Hilfe. Er telefonierte wie wild und kam freudestrahlend auf uns zu. "Ist wie verhext. Überall Veranstaltungen. Alles ausgebucht. Aber ich habe ein Zimmer für Euch gefunden. Leider ist es in der Nähe von Salt Lake City." Dankbar machten wir uns auf den Weg und fielen um 02.30 Uhr endlich totmüde in unsere Betten. Wir übernachteten ungefähr dort, wo wir 12 Stunden zuvor aufgebrochen waren. Fazit: vielleicht sollte man in Moab doch vorbuchen.

Saguaro National Park

Bei brüllender Hitze kamen wir in Arizona an. Wir schauten uns in Ruhe den Park an und beschlossen, noch ein wenig zu wandern. Wir parkten den Wagen und folgten einem Schild, das einen Wanderweg mit der Länge von 1,2 Meilen auswies. Es war wirklich toll, durch baumhohe Kakteen zu wandern. Wir stießen erneut auf ein Schild. Diesmal stand neben dem Namen des Weges 2,3 Meilen. Seltsam, aber nicht zu ändern. Mehrfach bogen wir von den vorgegebenen Trampelpfaden ab. Das nächste Schild besagte 1,3 Meilen. Langsam verstanden wir gar nichts mehr. Es begann, dunkel zu werden. Ärgerlich; ich hatte nur meine Sonnenbrille dabei. Noch ärgerlicher: da wir ja nur kurz wandern wollten, hatten wir weder Zigaretten noch Wasser dabei. Es wurde immer später. Wir mußten uns eingestehen, daß wir uns verlaufen hatten und irrten planlos umher. Plötzlich tauchten aus dem nichts zwei einheimische Wanderer auf. Wir beschrieben, wo unser Auto stand und sie erklärten uns den Weg. Dann verschwanden sie wieder im nichts. Nach einer weiteren Stunde hatten wir den Wagen immer noch nicht gefunden. Es wurde langsam unheimlich. Dann kamen zu unserem großen Glück die Wanderer zurück. Die Beschreibung unseres Parkplatzes war ihnen nach längerem Überlegen komisch vorgekommen. So hatten sie beschlossen, uns zu suchen. Sie brachten uns zu ihrem Wagen. Dort stellten wir fest, daß wir das Parkgelände längst verlassen hatten. Wir fuhren über eine Stunde, um wieder zum Park zu gelangen. Mutterseelenallein stand unser Auto dort. Wir haben es dem umsichtigen Handeln dieser Wanderer zu verdanken, daß wir nicht heute noch da rumirren. Im Nachhinein haben wir auch das Prinzip der Beschilderung verstanden: es ist nicht der Name und die Länge des Weges angegeben, sondern nur die Entfernung zum genannten Weg. Der Sinn dieser Beschilderung will sich mir aber bis heute nicht erschließen.

Baustelle des Todes

Auf einer unserer Fahrten durchs Niemandsland stand plötzlich eine blonde Bauarbeiterin mit einem Stop-Schild auf der Straße. Sofort fühlte ich mich an die billigen Filme auf SAT1 erinnert. Zudem irritierte mich ihr Helm. Eine Gefahr von oben konnte ich auch bei intensivster Betrachtung nicht erkennen. Wir harrten der Dinge, die da wohl kommen würden. Nach geraumer Zeit erschien ein Fahrzeug, das rundum mit Blinklichtern und einem riesigen Schild "Follow me" ausgestattet war. Es setze sich vor uns. Wir waren gespannt, welch lebensgefährliche Baustelle da kommen würde. Im Schritttempo ging es vorwärts. Die Straße wurde neu asphaltiert. Eine Fahrspur war bereits fertig. Die andere nicht. Dadurch war in der Fahrbahnmitte ein Absatz von ca 5 cm. Wir warteten immer noch gespannt auf die Gefahrenstelle, da war der Baustellenbereich auch schon vorbei. Der Follow Me-Wagen fuhr rechts ran und ließ uns vorbei. In Deutschland wäre die Sache mit einem Schild und einer Bedarfsampel erledigt gewesen.

Valley of the Gods

Es ging Richtung Valley of the gods. Die Straße war neu asphaltiert und kerzengerade. Trotzdem standen alle paar Kilometer Schilder "No trucks or RVs". Das konnte ich nun gar nicht verstehen. Die definitiv beste Straße, auf der ich je gefahren bin. Plötzlich Nebel. Man konnte keine 50 Meter weit sehen. Dann ein Schild: Ende der ausgebauten Strecke. Langsam tasteten wir uns vorwärts. Es kam eine Schotterpiste. Eine scharfe Kurve. Es ging steil bergab. Wieder eine Kurve. Zu sehen war auf der einen Seite dichter Nebel, auf der anderen Seite eine steile Felswand. Nach diversen Kurven lichtete sich der Nebel. Mindestens 500 Meter unter uns ein Tal. Wir waren also die ganze Zeit auf einem Hochplateau gefahren. Am Ende dieses Plateaus hatte man diese abenteuerliche Serpentinenstraße in die steile Felswand gebaut. Eine sensationelle Strecke. Ich weiß nur nicht, was ich getan hätte, wenn uns ein Fahrzeug entgegengekommen wäre. Die Serpentinen waren definitiv zu schmal für 2 Autos.

Zocken in Las Vegas 1

Ist man in Vegas, will man natürlich auch spielen. Wir wollten Roulette spielen, hatten aber keine Ahnung von den Regeln. Also gingen wir am Nachmittag in ein Casino und fragten an einem Tisch, an dem wenig los war, ob man uns das Spiel erklären könnte. Ein netter Texaner und der Croupier erklärten uns einfach alles mit Engelsgeduld. Abends war es dann soweit. Wir marschierten mit 100 Dollar ins Venetian. In 20 Minuten hatten wir 600 Dollar vor uns liegen. Was jetzt? Einerseits war der Betrag ein warmer Regen für die Urlaubskasse. Andererseits hatten wir uns vorgenommen zu spielen. Nach kurzem Austausch unser Beschluß: wir spielen weiter. Nachts um 4 war es endlich soweit. Alles wieder weg. Aber wir haben von abends um 7 bis früh um 4 gespielt, haben nur 100 Dollar investiert und, da jeder Spieler umsonst trinken darf, jeder locker 20 Drinks zu uns genommen.

Zocken in Las Vegas 2

Ein Jahr später (hier soll nicht der Eindruck entstehen, daß wir unentwegt spielen würden) gingen wir ins Paris. Letztes Jahr stand hier nur ein Bauzaun, dieses Jahr ein komplett fertiges Hotel. Als alte Hasen schauten wir uns einen Tisch aus, der Stimmung versprach. Dann wechselten wir die üblichen 100 Dollar. Kurze Zeit später kam der Coolste: sonnengebräunt, Cowboyhut, in einer Hand eine unterarmdicke Zigarre, in der anderen eine Blondine, die eine komplette Jahresproduktion einer kalifornischen Silikonfabrik mit sich herumtrug. Er ließ sich kurz für 5000 Dollar Chips auf die hauseigene Kreditkarte geben. Unsere Ein-Dollar-Chips sahen neben seinen Einhundertern richtig albern aus. Er setzte 10 Mal 500, dann war es auch schon vorbei. Regungslos verabschiedete er sich, ging an den benachbarten Seven-Eleven-Tisch und wiederholte dort das Spiel mit der Kreditkarte. Als ich mein Bier beendet hatte, war er auch dort nicht mehr. Wir aber spielten fröhlich vor uns hin. Nichts ging. Ich hatte den gesamten Abend immer wenigstens einen Chip blank auf die 10 gesetzt. Keine 10 weit und breit. Alle machten sich schon lustig über mich. Uns waren noch 3 Dollar geblieben. Mindesteinsatz am Tisch waren 5. Der Croupier erlaubte uns aber gnädigerweise, den Mindesteinsatz zu unterschreiten. Ich sagte zu Nora:"Hau es raus, ich geh zur Toilette." Als ich wieder raus kam, war von Nora keine Spur. Ich ging zurück zum Tisch und wurde mit großem Gejohle empfangen. Nora saß vor einem Haufen Chips. Sie hatte auf die 10 gesetzt! So spielten wir noch Stunden weiter. Die 10 aber kam danach nie wieder.

Barstow Beben

Nach einem anstrengenden Tag gingen wir südlich von L.A. ins Bett. Mitten in der Nacht hörte ich Nora meinen Namen rufen. Langsam kam ich zu mir. Irgendwas war seltsam. Ich hörte den Alarm von mehreren Autos. Ich sah, wie Nora am Fenster stand und merkwürdig schwankte - wir hatten aber doch gar nichts getrunken. Der Fernseher wanderte fröhlich über den Schrank. Plötzlich war ich hellwach - Erdbeben. Mit einem Satz war ich aus dem Bett. Das Haus schwankte. Wir suchten unsere Sachen zusammen, die im Zimmer verstreut lagen. Gerade wollten wir den Raum verlassen, da war es vorbei. Wir schauten aus dem Fenster. Ein paar Lichter waren an, ein paar Straßenzüge waren dunkel, einige wenige Menschen standen vor ihren Häusern. Es war ein ganz seltsames Gefühl. Was sollten wir machen? Als wir noch überlegten, ging es wieder los. Wir waren schon halb die Treppe runter, da war es wieder vorbei. Dieses Mal war es deutlich kürzer gewesen und lange nicht so heftig. Wieder zurück ins Zimmer. Auf der Straße war alles merkwürdig ruhig. Nach einiger Zeit legten wir uns wieder hin, nicht ohne unsere Sachen auf einer Art Alarmstuhl zurechtgelegt zu haben. Es schien wieder zu beben. Diesmal aber kaum merklich. Zur Kontrolle stellten wir ein Wasserglas auf den Nachttisch. Und richtig, es bebte wieder leicht. Den Rest der Nacht verbrachten wir im Halbschlaf. Am nächsten Morgen gab es im Fernsehen kein anderes Thema als das Beben. Es hatte eine Stärke von 7,2. Zum Glück hatte das Epizentrum mitten in der Mojawe-Wüste gelegen und der einzige ernsthafte Schaden war ein entgleister Zug, der aber nur aus den Schienen gehoben worden war. Niemand war dabei zu Schaden gekommen. Es dauerte mehrere Tage, bis wir das Gefühl, die Erde würde schwanken, nicht mehr hatten. Unseren Alarmstuhl haben wir von dem Abend an jeden Abend gebaut.

Motel in Flagstaff

Diese Nacht wollten wir in Flagstaff übernachten. Dort gab es einen ganzen Haufen Motels. Aus dem Reiseführer wußten wir, daß ein Großteil der Motels aber an einer viel befahrenen Eisenbahnstrecke lag. So schauten wir uns genau um. Wir fanden eins, das uns auch preismäßig zusagt, umkurvten es zur Sicherheit, checkten ein und fielen ins Bett. Dann ein Hupton, der uns im Bett stehen ließ. Direkt danach bebte die Fensterscheibe, dann das Zimmer. Wir schauten zum Fenster raus und hatten das Gefühl, den Zug mit ausgestrecktem Arm erreichen zu können. Er fuhr auf einer Trasse direkt in Höhe unseres Fensters im ersten Stock. Diese Trasse hatten wir nicht erkannt. Kaum hatten wir die Möbel wieder zurechtgerückt und waren wieder fast eingeschlafen, da kam der Zug in Gegenrichtung. Immer erst der Hupton, dann das Beben. Jetzt sind die Güterzüge in den USA auch noch endlos. Man schafft mindestens eine komplette Zigarette, währnd so ein Ding vorbeifährt. Diese Nacht blieb uns nichts außer Rauchen. Gut, daß wir den Reiseführer gehabt hatten. Nur hätte er gern mal erwähnen können, daß die Züge dort nicht nur ebenerdig fahren.

Mietwagen in Las Vegas

Wir hatten einen Restposten fly and drive-Reisen gebucht. Flug mit kleinster Wagenkategorie für 2 Wochen für DM 600,-. Wir landeten in Las Vegas und fuhren mit dem Bus zur weit außerhalb liegenden Mietwagenstation. Was klar war: die kleinste Kategorie existiert nur auf dem Papier. Solche Wagen sind quasi nie vorrätig. So gab es den ersten Up-Grade umsonst. Ich deutete an, daß wir gern den Astro Van hätten. "No problem. Kostet 90 $ Aufpreis pro Tag." Ich erklärte, daß mir das viel zu teuer wäre und wollte einfach weitermachen. Sie warf einen Blick auf unsere Kofferanhänger und sagte: "Sie sind mit Condor gekommen? Mit denen haben wir eine Sondervereinbarung. Dann kostet es nur 50$." Ich ließ ein leises "Immer noch zu teuer" hören und beschäftigte mich weiter mit dem Papierkram. Jetzt ging sie zum Angriff über: "Also sie wollen das Fahrzeug doch haben. Sagen sie einfach mal, wieviel sie zu zahlen bereit sind." Insgeheim war ich bereit, 25$ zu zahlen. Um Luft für Verhandlungen zu lassen, teilte ich ihr mit, daß unsere Urlaubskasse 15$ zulassen würde. Sie verschwand im Büro des Managers, um nach wenigen Minuten zurückzukehren: "Also 20$ ist für uns die absolute Schmerzgrenze." Ich ließ mir meine Freude nicht anmerken, zierte mich noch ein wenig - und schon hatten wir wieder unseren heißgeliebten Van.

Flughafen Detroit

Unser Rückflug von San Diego führte über Detroit. Mir als Raucher war das nur recht, da ich nichts so sehr verabscheue, wie Nichtraucher-Flüge. Wir hatten nicht viel Zeit zum Umsteigen. Ich wollte unbedingt noch meinen Nikotinspiegel für den Rückflug anheben. Trotz intensiver Suche fand ich aber keinen Raucherraum. Also stürmte ich schon ziemlich genervt auf den nächsten Police-Officer zu und fragte. Wie in den USA üblich, hielt er mir einen Vortrag über die Schädlichkeit des Rauchens und teilte mir mit, daß man aus eben diesen Gründen die Raucherräume abgeschafft hätte. Das war zu viel für mich: "Die Amerikaner sind doch auch alle fett, trotzdem gibt es überall Fastfood und Sweets." Erst machte er einen Schritt auf mich zu. Ich sah mich schon in Handschellen im Polizeiwagen sitzen. Dann zog er es vor, wüste Beschimpfungen in meine Richtung loszulassen. Ich machte mich aus dem Staub, bevor er es sich anders überlegen würde. Dann fragte ich in einem Shop, wo man wohl rauchen könnte. "Vor der Tür auf der Straße." Und tatsächlich konnte man den Flughafen problemlos verlassen. Zurück mußte man einfach nur durch einen von mindestens 15 Metalldetektoren laufen, die von einem einzigen Officer überwacht wurden. Und schon war man wieder drin. Das fand ich mehr als grotesk: in San Diego war jedes einzelne Gepäckstück untersucht worden, ich hatte dem Sicherheitspersonal die Zusammensetzung meiner Zahncreme erläutern müssen und an Eides statt versichern müssen, daß Terrorismus in unserer Familie nicht üblich ist. Hier hätte ich problemlos ein Bündel aus Stinger-Raketen und Kalaschnikows neben die Detektoren stellen können, um es nach dem Durchschreiten wieder mitzunehmen. Im Leben hätte der Officer das nicht gesehen.