Reisebericht

 

Montag 10.02./Dienstag 11.02.

Gemeinsam starteten wir 4 um 16 Uhr am Würzburger Bahnhof. Der Zug war unerwartet pünktlich, so dass wir viel zu früh am Frankfurter Flughafen ankamen. Es bildete sich aber früh am Schalter eine Schlange. Wir waren erstaunt über den hohen Anteil älterer Leute. Auch waren jede Menge Jäger dabei. Was für eine perverse Idee: wir fahren nach Afrika und schießen ein paar Tiere. Wir ließen keine Gelegenheit aus, uns mit denen anzulegen.

Das Flugzeug wurde vor dem Start noch enteist. Dann ging es fast pünktlich los. Der Flieger war sehr bequem. Einen so großen Sitzabstand hatte ich noch nie erlebt. Vorteil des Nachtfluges: er vergeht blitzartig.

 

Nach 9 Stunden Landung in Windhoek. Am Fuß der Gangway sofort die erste Zigarette. Entsetzt kam das Sicherheitspersonal auf uns zugestürmt: you wanna burn our airport? War wohl nicht so klug.

Während wir an der Passkontrolle anstanden, ertönte eine Durchsage: Passenger Marquardt, come to the information desk. Was ist denn jetzt los? Wer weiß, dass ich hier gelandet bin?

Draußen stand ein Mann von Britz Autovermietung, der den Auftrag hatte, mich zur Verleihstation zu fahren. Wie Travel Overland auf die Idee gekommen ist, dass wir den Wagen um 17 Uhr am Flughafen abholen sollten, wird sich nie klären lassen. Fakt ist, dass Britz am Flughafen gar keine Station hat, und die in der Stadt um 17 Uhr bereits geschlossen wäre. Egal, es hat auch so funktioniert.

 

Markus und Litti fuhren mit dem von uns gebuchten Transfer in die vorgebuchte Pension Steiner, Nora und ich zu Britz.

Die Fahrzeugübergabe dauerte 2,5 Stunden. Wir standen in der prallen Sonne und ließen uns von dem freundlichen Mitarbeiter Stefan alle Einzelheiten des Landrovers erklären. Ich hatte meine Zweifel, wie wohl die Campingausrüstung sein würde. Aber alles war top in Schuß. Vieles war neu. Handtücher, Schlafsäcke, Laken, komplettes Kochgeschirr. Empfehlenswert! Und da war er auch schon, der erste Sonnenbrand.

Als wir endlich losfahren wollten, war die Batterie leer. Wir bekamen eine neue.

 

Draußen dann die Tücken des Linksverkehrs. Ständig freute man sich, dass frei ist, um dann zu bemerken, dass man zur falschen Seite geschaut hat. Schweißgebadet kamen auch wir bei Steiner an.

Ein erstes Windhoek Lager, dann ging es in die Stadt.

Bei der ersten Bank wollten wir Geld wechseln. Die Frau am Straßenschalter nickte uns freundlich zu, aber es passierte aber nichts. Erst als ein Wachmann sich neben uns auf den Gehsteig stellte, ging es los. Nora zog sich mit der ec-Karte am Automaten Geld.

Vor jedem Laden stand mindestens ein Wachmann.

Wir mussten feststellen, dass es in Windhoek einfach alles gibt. Viele Dinge, wie Markensonnencreme, Zigaretten etc., die wir aus Deutschland mitgebracht hatten, gab es hier zu einem Bruchteil des Preises. Z.b. blaue Gauloises für 10 NAD(=1 Euro).

Abends gingen wir essen und zahlten für 4 Steaks, Vorspeisen und jede Menge Getränke 240 NAD.

Während des Essens sahen wir ein paar Straßenkindern beim Fußballspielen auf einer gut befahrenen 4-spurigen Straße zu.

Zurück in der Pension wollten wir am Pool Karten spielen. Doch ein heftiges Gewitter hinderte uns. Also ab ins Bett. Morgen geht es früh raus.

 

Mittwoch 12.02.

 

Bei Steiner gefrühstückt. Nette Pension zwar. Aber beim nächste Mal werden wir Windhoek sofort nach der Landung verlassen. Die Stadt hat uns ein bisschen enttäuscht. Sie hat so gar nichts.

 

Bei der Abfahrt bemerkten wir, dass sich die Hecktür nicht abschließen ließ. Erst mal tanken. Dann einkaufen. Ich habe wegen der offenen Tür im Wagen gewartet. Wurde mindestens 20 Mal angesprochen bzw. –gebettelt.

Wieder zu Britz. 3 Mechaniker werkelten an der Tür rum.

Währenddessen kamen 4 Leute aus Deutschland, um ihr Auto abzuholen. In schwarzen Klamotten mit Hartschalenkoffern! Wir hatten sofort einen Namen für sie parat: die Gucchis.

So wirklich hatten sie es mit dem Schloß nicht hingekriegt. Aber los ging es. Quer durch die Stadt. Gleich hinter der Stadtgrenze die ersten Tiere: Paviane mit Jungen.

Es folgte eine endlose Fahrt quer durch eine Mondlandschaft. Sehr zermürbend.

Gegen 5 erreichten wir den Köcherbaumwald. Toller Campingplatz. Direkt neben den Köcherbäumen. Gute sanitäre Einrichtungen. Wir bauten zum ersten Mal die Zelte auf.

Mit uns vielleicht 3 weitere Parteien auf dem riesigen Platz. Wir kamen uns allein vor. Grillten, saßen lange da und lauschten den unbekannten Geräuschen.

Ab zur ersten Nacht im Zelt in der Wildnis.

 

Donnerstag 13.02.

 

Früh aufgestanden, lange geduscht, Gaskocher repariert. Rumgebummelt und spät losgekommen. Nach Keetmannshope gefahren zum Tanken. Dort wollten sich die Angestellten einen Spaß machen und bedienten uns nicht. Sehr zu ihrer Verwunderung konnte Nora mit der Anlage umgehen.

Dann einkaufen. Da es keine Car Guards gab, blieb ich wieder am Wagen. Wurde wieder angebettelt.

Im bottle store Gin gekauft. 3,90 Euro die Flasche. Mist, Fleisch vergessen. Ab zum Metzger. Lustiger Laden. Brüllend warm. Die Auslage ungekühlt. Aber der Chef kam sofort herbeigeeilt. Chicken und Pork? Ausverkauft. Dann eben Beef Filet. Mit leuchtenden Augen verschwand er im Hinterzimmer und kam nach 15 Minuten mit einem kompletten, frisch ausgelösten Rinderfilet wieder. Wir nahmen die Hälfte, dazu noch 2 Lammfilets, 500gr Hackfleisch und 4 Bratwürste. 6,40 Euro.

Weiter Richtung Seeheim. Dann ging es zum ersten Mal auf eine Schotterpiste.

Brüllend heiß, eine endlose Strecke durchs Nichts. Frühstück am Straßenrand bei 45°C. Wir waren etwas enttäuscht, da wir erwartet hatten, dass die Strecke, ähnlich wie in den USA, direkt am Canyonrand verlaufen würde. Aber der lag in weiter Ferne.

Weitere Tiere, allerdings immer weit weg: Strauße, Springböcke, Zebras.

Wir erreichten das Hobas Camp. Auf dem Campgelände ging es 10km zu den 3 Aussichtspunkten in den Fishrivercanyon. Schöner Anblick. Allerdings fragt sich, ob dieser 1,5stündige Besuch im vernünftigen Verhältnis zu der ellenlangen Fahrt stand.

Dafür war der Campingplatz sehr schön. Unter Bäumen die Zelte aufgebaut. Wieder nur eine Reisgruppe und ein Pärchen mit uns da.

Abends regnetees kurz aber heftig. Wir grillten das billige Fleisch.

 

Freitag 14.02.

 

Lange Fahrt vor uns. Bis Lüderitz. Zudem mussten wir den ganzen öden Weg von gestern wieder zurück.

Aber wir sollten entschädigt werden: schon nach ein paar Kilometern Strauße. Dann Springböcke. Eine Kuhantilope kreuzte die Fahrbahn. Dann ein Dik-Dik, Streifenhörnchen und jede Menge Gazellen – na, geht doch.

Am meisten faszinierten uns die vielen Strauße, die – einmal von uns entdeckt – entweder flohen oder sich stocksteif hinstellten und somit wie Bäume aussahen.

Die Fahrt auf der asphaltierten B4 war überraschend begeisternd, da alle 10 Minuten die Landschaftsform wechselte. Erst interessante Gebirgsformationen, dann weite gelbe Steppe, dann Wüste, dann absolute Mondlandschaft und schließlich der ersehnte Blick auf den Atlantik. Wasser arschkalt, dafür blauer Himmel, Sonne und nahezu windstill.

Ursprünglich wollten wir ein Zimmer im Leuchtturm. Aber da es derart windstill war, entschieden wir uns für Camping auf Sharkisland, einer schmalen, felsigen Landzunge, die direkt gegenüber dem Lüderitzer Hafen ins Meer ragt. Eine Hammer-Übernachtung. Und nur 160 NAD.

Abends Essen im Legends: eine seafood-Platte für 4 Personen, die keine Wünsche offen ließ: frischer Fisch, Muscheln, Lobster, Langusten, Krebsfleisch – und das für 28 Euro.

Nachts umgeben vom Atlantik noch ein paar Windhoek Lager.

 

Samstag 15.02.

 

Um halb sieben aufgestanden. Wir hatten von einer Segeltour nach Halifax gehört, auf der es Tiere zu sehen gäbe, die man so nicht in Afrika erwartet. Nur Genaues wusste niemand. Man hatte uns den Rat gegeben, uns einfach mal um 8 am Pier am Diaz Platz einzufinden.

Wir übergaben unser Auto einem Parkwächter und harrten, da wir nicht vorgebucht hatten – wo auch, das war nirgends ersichtlich -  der Dinge.

Um 8 legte ein Segelschiff „Sedina“ an. Ein cooler Skipper, der perfekt deutsch sprach und sein schwarzer Steuermann Hans, begrüßten uns an Bord. Wir waren mit noch einer Dame die einzigen Passagiere.

Unser ewiges Glück: blauer Himmel, Sonne, Windstille. Scheint allen anderen Berichten zufolge die absolute Ausnahme zu sein.

Der Skipper hatte jede Menge Zeit, unsere sämtlichen Fragen über Land und Leute zu beantworten.

Nach einer halben Stunde die ersten Robben. Ein paar schwammen neugierig ums Boot rum, der Rest lag faul auf den Felsen.

Dann eine Insel voller Pinguine und Flamingos. Genial und wunderschön.

Der Skipper steuerte jetzt die Delphine an. „Mal sehen, ob die heute gut drauf sind und in der Bugwelle spielen“. So wirklich glaubten wir das nicht.

Doch genauso kam es. Sie tobten durch die Bugwelle und boten noch den einen und anderen Salto rückwärts dar. Wir waren begeistert und jagten meterweise Film durch die Kameras.

Der Segler fährt übrigens täglich um 8, die Fahrt dauert 2-3 Stunden und kostet 17 Euro.

Auch in Lüderitz konnte man an diversen Geldautomaten mit der ec-Karte Geld abheben.

Schnell das nötigste eingekauft, getankt und ab gings Richtung Wüste.

 

Bei Aus auf die C 27 abgebogen. Wieder Schotterpiste. Endlose Täler, umrahmt von Bergen, aber keine Tiere.

Nach kurzer Zeit erreichten wir die Farm Tiras. Eigentlich wollten wir hier übernachten, aber es schaute aus wie ein heruntergekommener Bauernhof. Irgendwie langweilig. Also weiter. Ein Stück zurück und dann auf die D707. Ein Glücksgriff: nach wenigen Metern eine Riesenherde Oryx. Die Serie der Tiere riss nicht ab: Oryx, Strauße, Gazellen, entweder einzeln oder in Herden.

Auch die Straße war der Hammer: links begrenzt durch die Dünen der Namib, rechts durch die Tirasberge.

Nach 90 km erreichten wir die Einfahrt zur Farm Korimasis. Ein Schild hatte dort exklusives Campen angeboten. Was das wohl sein soll?

Erstaunt stellten wir fest, dass es vom Tor bis zum Farmhaus noch über 20km waren. Ein tief ausgefahrener, steiniger Weg ließ uns mit 20km/h vorwärts kommen. Mehrfach mussten wir Gatter öffnen. Am letzen Gatter schlug plötzlich die Hecktür zu. Nanu, war die offen? Blankes Entsetzen: es fehlten ein Wasserkanister und – noch schlimmer – Littis Rucksack.

Wo war der rausgefallen? Vor 3 km? Vor 120km? Ich wendete und jagte mit 60km/h die Piste zurück. Wir mussten ja bis Einbruch der Dunkelheit die Farm noch erreichen.

Da plötzlich: der Kanister. 10 Meter weiter der Rucksack. Gott sei Dank. Und wieder gewendet und das ganze zurück.

Endlich erreichten wir das Farmhaus. Ein deutsch sprechender Mann erzählte uns Wunderdinge über seine Farm. Straußenzucht, Wildpferde. Wir verpassten ihm den Namen „Angeber, blöder“.

Wir erkundeten das Riesengelände und fühlten uns in die „Daktari“-Folgen versetzt. Nur Tiere sahen wir keine.

Wir kauften dem Angeber schnell ein paar Straußensteaks ab und ließen uns mit den aktuellen Fußballergebnissen versorgen, die der Angeber extra für uns in Erfahrung gebracht hatte. Dann fuhren wir zum Campingplatz. Der Hammer. 4 Stellplätze malerisch in eine einsame Felsschlucht gebettet. Ein Toilettenhäuschen und ein Duschhaus waren stilvoll in den Fels eingearbeitet. Die Sanitäreinrichtungen, die Feldküche und die Freiluft-Waschküche verfügten über heißes Wasser und waren in Top-Zustand. Manch Hotel hat derartiges nicht zu bieten.

Wir grillten am schön hergerichteten Grillplatz unsere leckeren Straußensteaks und baten den Angeber wegen des Namens um Vergebung.

So saßen wir in der Schlucht und genossen, die einzigen Menschen auf der Welt zu sein.

 

Sonntag 16.02.

 

Wir zahlten bei der Frau des Angebers (360 NAD, zwar viel, aber vollkommen angemessen), sahen uns seine Vogel- und Straußenzucht an und fuhren Richtung Sesriem.

Wieder ging es durch Daktari-Land. Gelbes dürres Gras, grüne Bäume, aber keine Tiere.

Ein Vater mit seinen Kindern kam uns auf seinem Esel-Karren entgegen. Er nutzte es aus, dass wir anhielten, um ihn zu fotografieren und bettelte uns um Zigaretten an.

Ein kleines, schmutziges Dorf tauchte auf. Seltsam, jede Menge saftiges Land und keine Tiere.

Mitten im Nichts eine Tankstelle. Wir tankten. Die Landschaft wurde immer öder. Und siehe da – Tiere. Massen. Oryx, Strauße, Gazellen, so weit das Auge reicht. Versteh einer die Viecher.

Plötzlich entdeckte Nora Punkte am Horizont. Bei genauerer Betrachtung mit dem Fernglas: Zebras.

Sofort tobten wir begeistert los und ließen das Auto offen. Sie ließen uns immer ein Stück näher kommen, um dann wieder ein Stück zu fliehen. Das Spiel wiederholte sich. Wir waren schon weit vom Auto entfernt. Am Horizont tauchte ein anderes Fahrzeug auf. Litti hatte Angst, es könnte sich um böse Diebe handeln. Sie eilte zum Auto zurück. Ein nutzloses Unterfangen, da sie in dem Moment, als der andere an unserem Auto vorbei fuhr, noch über 600 Meter entfernt war.

Leider war damit auch unsere Jagd beendet.

Auf der Fahrt entdeckten wir weitere Zebras.

Wir erreichten Sesriem. Das Gegenteil von der Nacht zuvor. Es gab sogar eine Schlange beim Einchecken. Und wer stand vor uns? Die Gucchis aus Windhoek. Namibia ist halt ein Dorf.

Der Zeltplatz hat große, getrennte Stellplätze, ist aber nicht wirklich schön.

Es kam zum Streit, da Soussousvlei noch 60 km entfernt ist, Markus aber keine Lust mehr auf Autofahren hatte.

Nach einer einstündigen Pause fuhren wir aber doch.

Es ging durch eine wichtige Eingangskontrolle. Dort lernten wir afrikanische Mathematik: die Strecke betrug 64km, auf der Strecke herrschte eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 40km/h. Die Fahrzeit war mit einer Stunde angegeben?

Auch hier war ich leicht enttäuscht. Entgegen meiner Erwartung fanden wir eine geteerte Straße (überall hätte ich eine Teerstraße erwartet, nur hier nicht) vor, die nicht in die Dünen, sondern an den Dünen entlang führte.

Die berühmte Düne 45 langweilte uns.

Vor dem Soussousvlei mussten wir anhalten. Nach neuester Gesetzeslage gab es dort keine eigenverantwortliche Weiterfahrt mehr und man musste einen kostenpflichtigen Shuttle-Bus (80 NAD pro Person) in Anspruch nehmen.

Zwar hatten wir nur noch eine Stunde Zeit, bis die Rückfahrt angetreten werden musste, aber wir machten es trotzdem.

Dafür waren wir mutterseelenallein und konnten im besten Licht des Tages Fotos machen.

Um 19.45h jagten wir durch die hereinbrechende Dunkelheit zurück und schafften es gerade noch, das Camp vor Toreschluß zu erreichen.

 

Montag 17.02.

 

Ein wenig enttäuscht verließen wir Sesriem. Immer wieder blieben wir stehen und wanderten. Aber außer Strauße keine Tiere.

In Solitaire, einer einsamen Tankstelle in der Wüste, schlug uns der Duft von frischem Apfelkuchen und Brot entgegen. Schon eigenartig: da sitzt man in der Wüste, futtert gedeckten Apfelkuchen und trinkt Kaffee. Man konnte dort auch prima einkaufen. Eine ganze Busladung alter Leute wurde zum Kuchenessen vorgefahren.

Wir wollten unsere Gasflasche füllen lassen. Kein Problem. Wir wendeten uns an einen der 10 Angestellten, die unter einem Baum saßen. Eilfertig trug er sie um die Ecke, um sich dann wieder unter den Baum zu setzen. Wir wurden dann ungeduldig, schauten um die Ecke und siehe da, da stand unsere Flasche. Wir sprachen mit dem Chef. Nach einer weiteren halben Stunde wurde es uns zu doof. Wieder sprachen wir beim Chef vor. Wutentbrannt machte er den Schwarzen Beine. 5 Leute verschwanden in einer Halle und bastelten eine wahnwitzige Konstruktion. Es dauerte eine weitere halbe Stunde bis die ganze Station nach Gas roch. Wieder tobte der Chef. Eine weitere halbe Stunde später konnte man uns auch einen Preis nennen. Die ganze Füllaktion hatte mal eben 2 Stunden gedauert.

Wir fuhren Richtung Norden und beschlossen, wild zu campen, da man in Solitaire aus unerfindlichen Gründen keinen Permit für den Campingplatz am Kuiseb-Paß kaufen konnte.

Über den Gaub-Paß führte eine wunderschöne Straße durch atemberaubende Landschaft.

Der danach folgende Kuiseb-Paß wartete ebenfalls mit beeindruckender Landschaft auf. Dort befand sich direkt unter einer Brücke neben dem Kuiseb-River ein kleiner, unbewachter Campingplatz. Dort stand aber schon jemand. Das passte mir gar nicht. Ich fuhr also trotz Verbotes durch das Flussbett in die Schlucht hinein. Ich kam ziemlich weit, blieb aber schließlich im tiefen Sand stecken. Beim Versuch, wieder rauszukommen, grub ich mich tief ein.

Litti geriet in Panik. Wir dagegen lachten uns tot, was die Stimmung nicht gerade verbesserte.

Es dauerte ewig, bis wir uns wieder ausgegraben hatten. Ich wollte dort stehen bleiben, da wir von der Straße aus nicht zu sehen waren. Zudem standen wir direkt neben natürlichen Wasserlöchern. Den vielen Spuren nach war dort mit vielen Tieren zu rechnen.

Aber Litti war von der Idee nicht zu begeistern. Sie befürchtete eine hereinbrechende Sturzflut, mordlüsterne Leoparden oder ähnliches.

Also mussten wir wieder näher an die Straße und raus aus dem Flussbett.

Die halbe Nacht beobachteten wir die Wasserlöcher, aber nichts passiert. Auch die Sturzflut blieb aus.

 

Dienstag 18.02.

 

Frühmorgens raus und los Richtung Swakopmund. Strauße überquerten die Straße. Die Strecke war elend öde. Einfach nur nichts. Wir zogen eine riesige Staubwolke hinter uns her.

Wieder erreichten wir den Atlantik. Kurz durch die Industriestadt Walvis Bay gefahren.

Dann auf einer Straße, links das Meer, rechts die Dünen der Namib, nach Swakopmund. Ein bezauberndes, sauberes Städtchen mit tollem Strand.

Die ersten Versuche, eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden, schlugen fehl. Fanden dann aber Pension Rapmund, die uns günstig ein Familien-Flat anboten.

Wir wanderten am Strand lang, genossen die Brandung, bummelten durch die Stadt.

Abends gab es wieder mal eine Fischplatte im „Lighthouse“. Wir spielten Uno bis tief in die Nacht. 

 

Mittwoch 19.02.

 

Morgens kauften wir Spiegel und Focus, um zu sehen, was wohl in der Welt passiert. Nora las am Strand. Ich ging ins Aquarium. Fand dort im Gästebuch einen Eintrag “warum kostet es für Ausländer den dreifachen Eintrittspreis?“, den ich sofort mit einem freundlichen „Du bist doch ein Arschloch“ kommentieren musste .

Dann ging es in die Adler-Apotheke, weil Nora Nackenschmerzen vom Fahrtwind hatte. Die Apothekerin warnte uns vor Malaria-Gefahr im Etoshapark. Es hätte viel geregnet und es wären auch in Swakopmund  in den letzten Tagen Malariafälle aufgetreten.

Wir entschieden uns, doch Prophylaxe zu nehmen. Kostete nicht mal ein Drittel des Preises in Deutschland.

Wieder spuckte der ec-Automat problemlos Bargeld aus.

Nachmittags wurde uns langweilig. Ich hatte auf der Fahrt von Walvis Bay nach Swakopmund direkt in den Dünen eine Squadbike-Vermietung gesehen. Zwar hatte ich keine Idee, wo man da wohl fahren dürfte, aber ich wollte das unbedingt machen. Für 250 NAD pro Person bekamen wir einen Guide und durften tief in die Dünen fahren. Nachdem anfängliche Schwierigkeiten beim Fahren überwunden waren, rasten wir wie die Wilden die Dünen rauf und runter. Das war Wüstenfeeling pur. Sesriem war ein Dreck dagegen. Und immer wieder schickte uns der Guide in die Steilhänge. Anfangs trauten wir uns kaum, doch dann kamen wir bis 2 Meter an den Kamm heran. Ständig fuhr man sich fest. Ein geiles Erlebnis. Absolut empfehlenswert. Weiterer Vorteil: zwar gibt es in Swakopmund selbst auch einen Verleih, aber dort muß man erst mal ewig fahren, bis man in die Dünen kommt.

Nach dem Biken mussten wir unbedingt Sandboarden. Man stieg in glühender Hitze eine Düne rauf, bekam dort ein eingefettetes Brett und raste ins Tal. War aber derart anstrengend, dass wir es bei einem Mal beließen.

Abends gingen wir noch mal an den Strand. Wollten eigentlich in einem zum Restaurant umgebauten Schiffswrack essen, aber ausgebucht.

Also wieder ins Lighthouse.

Zu guter Letzt schauten wir in einer deutschen Kneipe in der Brückenstraße das Champions-League-Spiel Dortmund- Real.

 

Donnerstag 20.02.

 

Genug entspannt. Weiter geht’s. Richtung Usakos. Nach einer Stunde erreichten wir die Spitzkoppe. Für den Park musste man Eintritt zahlen. Man hätte Campen können, allerdings weder Duschen noch Toiletten.

Wir wanderten in den bizarren Felsgebilden herum. Großartige Landschaft. Jede Menge Vögel. Allerdings kann man sich dort schnell verirren.

Dann geht es nach Karibib. Wir wollen unbedingt zur Leopardenranch. Ich jagte mit 90 km/h über die Piste.

Die Zufahrt zur Ranch ist klasse. Es ging rauf und runter. Teilweise erinnerte die Landschaft an die Alpen. Der Campingplatz war sensationell. Unter großen Bäumen direkt am Swakopriver. Freiluftdusche und Freiluft-WC. Nur 140 NAD. Und wie sollte es sein: wir waren die einzigen Gäste.

 

Hier gab es einen Leoparden und eine Geparden, den man durch den Zaun streicheln konnte. Der schnurrte dann wie wild.

Fütterungen finden allerdings nur Mo, Mi, Fr statt – heute Donnerstag.

In der Abendsonne machten wir noch einen Spaziergang über das Gelände.

 

Freitag 21.02.

 

Morgens machten wir eine 7 km Wanderung über das Farmgelände. Der Hund der Besitzer begleitete uns. Und wieder keine Tiere. Aber bei einer Farmgröße von 36000ha auch nicht weiter verwunderlich.

Mittags brachen wir auf. Heute wollten wir ja nur eine kleine Strecke fahren. Über die Schotterpiste von gestern ging es Richtung Karibib. Wir hatten erstaunlich viel Gegenverkehr. Es ging an einer Straßenbaumaschine vorbei, die Arbeiter winkten uns zu.

30 km weiter erneut Gegenverkehr. Der fuhr allerdings in der Straßenmitte und machte auch keine Anstalten auszuweichen.

Nora wich extrem nach links aus. Sie geriet in den losen Schotter am Straßenrand. Der Wagen begann zu Schleudern. Gegenlenken verursachte nur einen Ausschlag zur anderen Seite. Wir brachten wohl 300 Meter schleudernd hinter uns. Dann stellte sich der Wagen quer und kippte, rutschte ein Stück auf der linken Seite und überschlug sich schließlich. Man hörte splitterndes Glas, brechendes Metall, Knirschen. Dann Stille. Der Wagen lag jetzt auf der rechten Seite, entgegen der ursprünglichen Fahrtrichtung.

Ich hing kopfüber, Beine in die Luft. Irgendwie gelang es mir, mich zu drehen. Auftreten konnte ich nicht, unter mir lag Nora. Sie fragte, ob alle ok seien. Litti war schon irgendwie aus dem Auto gekrochen. Ich stand inzwischen mit einem Fuß auf dem Lenkrad, mit dem anderen auf Noras Oberschenkel. Jetzt konnte ich Markus sehen. Er lag mit geschlossenen Augen auf dem Rücken, blutete am Kopf. Als ich ihn rief, schlug er die Augen auf. Ich stütze mich irgendwo auf. Nora kroch unter mir weg, kletterte zwischen Fahrer- und Beifahrersitz nach hinten und durch die hintere Tür nach draußen. Die Mädels halfen Markus aus dem Auto. Auch ich kletterte unter starken Schmerzen durch die hintere Tür aus. Außerhalb lagen eine Sonnenbrille und die Kameras. Vor dem Unfall hatte ich meine in der Hand.

Aus Reflex machte ich mir eine Zigarette an, nahm wie in Trance meine Kamera und fotografierte das Ganze wie ferngesteuert.

 

Wir checkten die Verletzungen: Litti von blauen Flecken übersät, Nora ebenso, Markus blutete am Kopf, ich hatte höllische Schmerzen an den Rippen, meine Schulter war aufgeschürft und tiefblau.

Wir schauten uns um. Ganz in der Nähe waren 2 Farmeinfahrten. Gott sei Dank.

In dem Moment kam ein Farmer aus seiner Einfahrt. Sofort kam er herbei und prüfte unsere Verletzungen. Dann fuhr er zum nächsten Nachbarn, um weitere Hilfe zu holen und Britz zu verständigen.

Wir begannen, unsere Sachen aus dem Wrack zu räumen. Der erste Schreck war überwunden. Ein Wunder: alle Sachen heil. Sogar die Kameras.

Von der Nachbarfarm kam ein LKW mit mehreren Schwarzen auf der Ladefläche. Wir versuchten, den Wagen wieder aufzustellen. Keine Chance. Ich erinnerte mich an die Straßenbaumaschine. Der Farmer, Herr Moda, fuhr los, um sie zu bitten, uns zu helfen.

Wir stellten die Campingstühle auf und saßen wie die Deppen am Straßenrand.

Moda kam zurück. Die Bauarbeiter hatten ihre Hilfe zugesagt. Auch Britz war informiert und wollte Hilfe schicken.

Moda bestand darauf, uns Jungs zur Krankenstation zu fahren. Die Mädels sollten warten. Als sie ihre Bedenken äußerten, holte er eine Pistole aus dem Handschuhfach, drückte sie Litti in die Hand: „Einfach am Hahn spannen und abdrücken. Und erst schießen, dann fragen“.

Wir fuhren nach Karibib. Jede Bodenwelle knallte mir auf die Rippen. Moda erzählte von sich. Er sei ausgewanderter Deutscher, der eine Jagdfarm betrieb. Zudem hätte er Großwildjagdlizenzen für Simbabwe und Botswana. Sehr interessant. Wir erfuhren viel über das Verhalten der Tiere.

Wir erreichten die Unfallstation. Moda musste einkaufen. Er setzte uns ab und versprach, uns wieder abzuholen.

Niemand dort außer einer Telefondame, die uns auf Afrikaans volllaberte.

Nach 10 Minuten tauchte ein deutschsprachiger Mann auf. Er war der Besitzer eines heruntergekommenen Hotels, der sich berufen fühlte, einen Rettungsdienst aufzubauen. Seine größte Sorge war, dass er keine Lizenz für den Krankenwagen hatte. Seine Frau hatte die geniale Idee, den Privatwagen zu nehmen. Wir fuhren nach Usakos zum Thaddeus Hospital, einer katholischen Krankenstation. Leider war der Arzt auf Hausbesuch und das Röntgengerät war seit Monaten defekt. Die netten Schwestern sprechen uns Trost zu.

Weiter ging es zum staatlichen Krankenhaus. Die erste Hürde war ein grimmiger Wachtposten, der erst alle Daten in eine Liste eintragen ließ. Dann öffnete ein zweiter das Tor gerade so weit, dass wir nicht durchpassten. Der Hotelier flippte völlig aus.

Die nächste Hürde war die Anmeldung. Hier wurde noch nie ein Ausländer behandelt. Wie viel berechnen wir dem? Es wurde telefoniert, hin- und hergelaufen, was allerdings mehr an ein Schlendern war.

Ich musste meine Daten in ein Formblatt eintragen. Niemand hatte zu tun, aber wir sollten erst mal warten. Wieder drehte der Hotelier durch.

Dann rief mich eine Schwester ins Zimmer und ich durfte wieder meine Daten in eine andere Liste eintragen. Mittlerweile stand der Preis fest: 5 Euro. Als ich zahlte, konnte es losgehen.

Blutdruck-, Puls- und Fiebermessen. Dann bequemte sich der schwarze Arzt, der die ganze Zeit auf dem Flur rumgestanden hatte, mich zu behandeln.

Er horchte mich ab, kümmerte sich aber weder um die Schulter, noch prüfte er, ob ich den Arm heben konnte.

Dann wurde ich zum Röntgen geschickt. Die weiße Röntgenschwester war sauer, weil wir so kurz vor Feierabend kamen. Lustlos machte sie eine Aufnahme mit einem Gerät, für das das Deutsche Museum Höchstpreise zahlen würde.

Der Arzt hängte das tropfnasse Bild ins Fenster, grübelte kurz und teilte mir mit, dass er aufgrund der schlechten Aufnahme nichts sagen könnte. Er empfahl mir, das nächste Krankenhaus aufzusuchen. Dann wollte er mir eine Spritze geben. In Anbetracht des Zustandes des Krankenhauses und der vielen Aidskranken, die auf dem Flur rumgeisterten, lehnte ich dankend ab und ließ mir Tabletten geben.

Das Krankenhaus war unglaublich: überall Merkzettel „Nachtschicht: bitte alle 8 Stunden Patienten auf Tod untersuchen und aussortieren“, „wie erkennt man Cholera und was macht man dann“ und jede Menge Fotos von allen möglichen nur erdenklichen Geschlechtskrankheiten.

Der Hotelier brachte uns zurück nach Karibib, Moda uns zur Unfallstelle. Dort warteten die Mädels mit einem von Britz geschickten Abschleppunternehmer. Sie hatten noch nichts machen können, da ich nach dem Unfall unbewusst den Schlüssel eingesteckt hatte.

Wir wurden nach Karibib geschleppt und in dem Hotel unseres Helfers untergebracht.

Wir gingen in die Dorfkneipe, wo alle unsere Helfer versammelt waren. Inzwischen waren wir Dorfgespräch. Jeder wollte die Deutschen sehen, die sich überschlagen hatten.

Es gab Superessen. Wir unterhielten uns lange mit dem Abschlepper über die allgemeinen Zustände in Namibia.

Angeschlagen gingen wir in den 50er-Jahre-Zimmern ins Bett.

 

Samstag 22.02.

 

Morgens um 7 trafen wir uns mit dem Abschlepper. Er sollte prüfen, ob das Auto noch fahrbereit war. Es ging natürlich nicht. Wir riefen Britz an.

Der Hotelier hatte uns am Vortag ein reichhaltiges Frühstück versprochen. In Analogie zu seinem Hotel gab es für jeden ein Ei, eine Scheibe Bacon, eine Scheibe alten Toast und dünnen Kaffee.

Wir bauten Campingtisch und Stühle auf, kochten Kaffee mit dem Gaskocher und spielten Uno.

Mittags kam ein Tieflader mit dem neuen Auto, einem Toyota Hillux. Der Alte wurde aufgeladen.

Schon beim Packen fingen wir an, die neue Karre zu hassen. Viel weniger Platz, elektrische Fensterheber, Becherhalter. Sofort stand der Name fest: Popperkarre.

 

Nora klagte über Ohrenschmerzen, Markus’ Wunde sah nicht gut aus. Meine Rippen taten weh. Wir entschlossen uns, noch mal nach Usakos ins Thaddeus Hospital zu fahren.

Dort empfing uns eine nette schwarze Schwester, die sofort mit der Behandlung begann. Sie spülte Noras Ohr und förderte einen pfenniggroßen Splitter der Windschutzscheibe hervor. Gute Entscheidung noch einmal nach Usakos zurückzufahren. Dieser Riesensplitter hätte in kürzester Zeit eine prima Entzündung hervorgerufen.

Die Schwester säuberte Markus’ Wunde gründlich und verpasste mir einen Verband.

Jetzt wusste sie nur nicht, wie viel sie von uns verlangen sollte. Vorsichtig fragte sie nach einem Euro. Wir gaben ihr 3 und noch weitere 100 NAD, die sie für die Behandlung Bedürftiger nehmen sollte. Die Schwester war von unserer Großzügigkeit zu Tränen gerührt. Ich dagegen schämte mich fast, so wenig gegeben zu haben.

 

Wir hatten entschieden, uns etwas Besonderes zu gönnen und fuhren zur Omaruru Game Lodge. Eine traumhafte Anlage. Ein Schweizer Architekt hat ein großes Gelände eingezäunt. In der Mitte hat er eine kleine, noble Siedlung aus einigen, wenigen Bungalows in Rundbauweise mit Reetdach errichtet und auch eingezäunt. Zwischen den Zäunen leben Tiere frei in ihrer natürlichen Umgebung und der Mensch ist quasi eingesperrt. Da wir wieder mal die einzigen Gäste waren, bekamen wir die Luxus-Bungalows, die direkt am künstlichen Wasserloch lagen, zum Preis der normalen. Gerade kamen 2 Nashörner zum Trinken.

Obwohl es eigentlich schon zu spät war, wollten wir unbedingt noch den Game Drive machen. Den einzigen Gästen erfüllte man natürlich auch diesen Wunsch. Die Tiere schienen uns für das Pech der vergangenen Tage entschädigen zu wollen. Im wunderschönen Abendlicht kam eine Herde Zebras direkt an den Wagen. Plötzlich standen wir inmitten einer Riesenherde Gnus, die sich überhaupt nicht an uns störten. In 5 Meter Abstand ging es an fressenden Giraffen vorbei. 3 Elefanten brachen aus dem Gebüsch hervor und holten sich Heu, das hinten auf dem Wagen lag. Über Oryx, Steinböcke, Warzenschweine etc. will ich gar nicht sprechen. Wir waren völlig begeistert und brachten die Kameras zum Glühen.

Danach gönnten wir uns das bestellte 4-Gänge-Menü. Es gab Kudu. Sehr lecker.

Auch das Restaurant lag direkt an der Wasserstelle. Im Scheinwerferlicht tranken Zebras, Oryx, Kudus etc.

Wir schmissen kurzentschlossen den Plan um und entschieden, noch eine Nacht zu bleiben.

 

Sonntag 23.02.

 

Meine Rippen trieben mich früh aus dem Bett. Ich stand auf, setzte mich auf unsere Terrasse und beobachtete das Treiben am Wasserloch.

Erst kamen die Nashörner ums Eck. Dann folgte wildes Getrappel. Eine Herde Gnus kam angetobt. Dann folgten Zebras. Die Zeit verging wie im Flug. 

Wir frühstückten im Restaurant, verlängerten um eine Nacht, ärgerten den Leoparden und die Geparde.

Dann fuhren wir ins Dorf, um die Fußballergebnisse zu erfahren. Nur im Dorf war Netz.

Danach legten wir uns zwei Stunden an den gepflegten Pool.

Um 4 machten wir noch mal den Game Drive. Überhaupt kein Vergleich zum Vortag. In der doppelten Zeit viel weniger Tiere.

 

Montag 24.02.

 

Um 7 ging der Wecker. Schnell gepackt und ausgiebig gefrühstückt. Ab Richtung Etosha.

Auf der geteerten Straße ging es gut voran. In Outjo, einem malerischen Städtchen, legten wir eine kurze Pause ein.

Was wird uns in Etosha erwarten? Die Einheimischen hatten uns müde belächelt. Etosha in der Regenzeit? Da seht Ihr nichts.

Um 13 Uhr am Eingang. Eine unfreundliche Frau macht das Bürokratische. Die stehen hier auf Listen.

Kaum im Park treffen wir auf Giraffen. Dann Kudus. Dann Oryx. Wir sind begeistert.

In Okaukuejo wollten wir für den vorbestellten Bungalow einchecken. Die Betreiber der Omaruru Lodge hatten angerufen und unsere Buchung um einen Tag nach hinten verschoben.

Ein unfreundlicher Typ erklärte uns, unsere Buchung sei storniert worden und alle Bungalows seien ausgebucht. Ich kriegte langsam einen Hals. Sofort übernahm eine Kollegin und buchte uns doch ein.

Der Bungalow war gut und praktisch eingerichtet. Die ganze Anlage aber ist extrem touri-mäßig.

Wir fuhren sofort wieder raus in den Park. Hunderte von Zebras, Giraffen, Gazellen, Antilopen, Springböcken.

Abends grillten wir und brachten Schabracken-Schakale dazu, uns aus der Hand zu fressen.

Dann Aufregung am Wasserloch: Nashörner.

 

Dienstag 25.02.

 

Morgens um halb sieben wilde Aufruhr. Alle Nachbarn rasen wie die Blöden in den Park.

Wir tranken in Ruhe Kaffee und folgten dem Mob um halb zehn.

Anfangs die üblichen Verdächtigen. 2 Giraffen trabten gemächlich auf der Straße vor dem Auto her.

Am Olifantsbad-Wasserloch ein Elefant. Mehrere Autos standen mit uns dort. Alle anderen brachen auf, wir blieben noch. Schon brachen weitere Elefanten aus dem Dickicht hervor. Wir sind doch Glückskinder.

Weiter ging es. Plötzlich der Schrei von Nora: „Stopp. Löwen“. Direkt an der Straße unter einem Baum 3 Löwen. Wieder glühten die Kameras. Nach 45 Minuten wurde es den Löwen zu dumm. Sie zogen sich ins Dickicht zurück.

Und weiter. Wenig später, wieder unter einem Baum, 3 Löwinnen mit Baby. Und wieder jagten 30 Bilder durch die Kamera.

Abends fuhren wir ins Camp Halali. Ein heruntergekommenes Dreckloch. Im Shop gab es fast gar nichts. Der Bungalow alt und dreckig. Überall bröckelte der Putz. Irgendwie bezeichnend, dass im Büro die Urkunde des „Iwanowski-Award“ hängt.

Abends gingen wir aus Langeweile zum Wasserloch. Dieses war allerdings sehr schön gemacht. In Stein gehauene Tribünen. Jede Menge Besucher. Wir fragten, was denn bisher geboten wäre – gar nichts.

Wir setzten uns kurz, um eine zu rauchen. Schon begann das Spektakel: 6 Nashörner und 2 Junge liefern ein einstündiges, unglaubliches Spektakel mit Kämpfen und allem Drum und Dran.

Glückskinder eben.

 

Mittwoch 26.02.

 

Wir fuhren die Umgebung des Dreckscamps ab. Nichts. Stundenlang keine Tiere. Es war wohl der heißeste Tag und unsere Gesichter wurden immer länger.

Um 2 brachen wir in Richtung Namutoni auf.

Und plötzlich Tiere ohne Ende. Neben der Straße 13 Giraffen. Hunderte von Zebras, Gnus, Gazellen. Wir kamen nur noch langsam voran, weil dauernd Tiere die Straße kreuzten. 200 Meter vor dem Campeingang der altbekannte Ruf: „Stopp. Löwen“. Ein Löwenpaar lag in einiger Entfernung zur Straße. Sie mussten wohl gespürt haben, dass wir Glückskinder sind, denn die erhoben sich langsam und trabten zu einem Baum, der deutlich näher am Auto lag, um sich dort wieder niederzulassen.

Eine Stunde später fahren wir ins Camp, um den Bungalow zu reservieren. Nora und ich wollten wieder in den Park zurück, Markus und Litti waren kaputt und entschieden zu bleiben. Ein Fehler.

Wir fuhren noch mal raus. Eine erstaunliche Seenlandschaft. Riesenherden Zebras. Am Straßenrand stand eine alte Dame und starrte in graue Dornenbüsche. Im ersten Moment hielten wir sie für verwirrt, doch dann sahen wir sie auch: eine Herde aus 11 Elefanten, davon 3 kleine. Waren aber schlecht zu sehen. Wir berechneten, wo sie wieder aus dem Gebüsch kommen müssten. Und genau da kamen sie. Wieder glühte die Canon.

Ein Stück weiter stand wieder ein Auto am Rand. Und wieder ein Löwenpaar. Wir lachten uns tot über die einheimischen Experten. Von wegen keine Tiere. 11 Löwen in 3 Tagen!

Langsam fuhren wir zurück. Giraffen nutzten die Gelegenheit des nachlassenden Verkehrs, um die Bäume von der Straßenseite anzufressen.

Wir beobachteten am Rand des Sees eine Mini-Turtle, als ein vorbeifahrender Ranger uns auf die 16 Elefanten aufmerksam machte, die am anderen Ufer tranken.

5 Minuten vor Toreschluß kamen wir ins Camp zurück. Wir gingen zur Abwechslung mal wieder im Restaurant essen und saßen vor dem Bungalow. Dort lernten wir eine junge Frau, Trixi, kennen, die ihr Gepäck auf dem Flug verloren hatte. Sehr ärgerlich, wenn man eine 4 wöchige Reise gebucht hat, die auch noch in Botswana beginnt.

 

Donnerstag 27.02.

 

Morgens fanden wir einen Zettel vor dem Bungalow. Trixi bat uns um T-Shirts. Nora und ich brachten noch 6 Stück und einen Schlafsack zusammen.

Dann in den Park. Präzise fanden wir 2 Herden Elefanten. Waren plötzlich umringt von fast 30 Giraffen.

Mittags fuhren wir noch mal zum Camp zurück, um rauszufinden, ob Trixi das Zeug bekommen hatte. Sie hatte.

 

Wir verließen Etosha Richtung Waterberg. Tödlich langweilige Strecke. Bewaldetes Gebirge.

In Otjiwarongo kauften wir in einem phantastisch ausgestatteten Supermarkt ein. Um 7 erreichten wir Waterberg. Wieder fast allein auf dem Campingplatz. Wir bauten zum ersten Mal die Zelte der Popperkarre auf. Ging nach anfänglichen Schwierigkeiten doch gut. Wir nützten die vorhandene Feldküche: Markus machte Kartoffelsalat.

Der Platz war ziemlich heruntergekommen. Toilette, Dusche und Feldküche dreckig und teilweise defekt. Die Mädels weigerten sich, auf die Damentoilette zu gehen. Zu dreckig. Sehr schade. Denn eigentlich war alles sehr zweckmäßig. Und bei der Vielzahl der Angestellten, die den ganzen Tag unter einem Baum rumsaßen, wäre es ein Leichtes gewesen, den Platz in Ordnung zu halten.

Nachts weckte uns das Getrappel und das Schnaufen von Tieren. Aber ohne Brille war nichts zu erkennen.

 

Freitag 28.02.

 

Morgens wollten wir die Wanderwege probieren, die der Park zu bieten haben sollte. Wir stiegen zum Plateau hoch. Der Weg war für mich als ungeübten Wanderer überhaupt kein Problem. Auch der Ausblick, der sich oben bot, war nichts besonderes. Bäume bis zum Horizont.

Wir stiegen wieder ab und stellten fest, dass wir dabei schon 3 Trails geschafft hatten. Nach 3 Stunden waren wir wieder zurück.

Für abends hatten wir uns für einen Game Drive eingetragen. Vielleicht würde der uns ja entschädigen.

Bis dahin setzten sich Markus und Litti in die Sonne. Nora und ich langweilten uns zu Tode und machten aus Verzweiflung Nudelsalat.

Um 16 Uhr ging der Drive los. Der Platz hatte sich erstaunlich gefüllt. Mindestens 25 Holländer waren mit Wohnwagen gekommen (kein Witz).

Auch 2 Adventure-Tour-Busse waren angekommen. Vorbei war es mit der Einsamkeit.

Der Drive war mit 12 Leuten ausgebucht. Das waren wir ja überhaupt nicht gewohnt.

Der Fahrer verließ erst mal das Camp und beschleunigte den vollbesetzten Wagen auf der Schotterpiste auf über 60 km/h.

Wir mussten Mützen und Hüte festhalten. Nach 16 km Höllenfahrt (hatte eine Woche nach einem Unfall auf gleicher Straße, nur mit weniger Beladung, einen üblen Beigeschmack) erreichten wir die Parkeinfahrt. Es ging einen mörderischen Anstieg hinauf. Oben wieder der langweilige Blick ins Tal. Aber jetzt konnte es ja losgehen – denkste.

Oben waren autobahnähnliche Schneisen in den Busch geschlagen. Da es Straßen aus tiefem Sand waren, konnte der Fahrer nur noch auf 50 km/h beschleunigen. Den sicheren Tod vor Augen sah man natürlich nicht ein Tier. Wäre auch bei der Geschwindigkeit gar nicht möglich gewesen. Nach einer Stunde Raserei erreichten wir ein Gebilde, das an einen Unterstand aus dem 1. Weltkrieg erinnerte. Man lief durch einen Palisadengang, der in einen Unterstand führte. Durch Schießscharten konnte man ein winziges, weit entferntes Wasserloch sehen. 3 Warzenschweine.

Zurück auf die Autobahn. Mit Höchstgeschwindigkeit werden die Wasserlöcher abgefahren. Keine Tiere. Dann bog er doch mal in den Busch ab und fuhr langsam. Giraffen und Säbel-Antilopen. Aber nach 20 Minuten war es schon wieder vorbei. Weiter geht die Hatz zum nächsten Schießstand. Nora und ich blieben entnervt im Auto sitzen, was den Fahrer verwirrte.

Dann kam, was schon alle befürchtet hatten. Die Höchstgeschwindigkeit-Rückkehr ins Camp. Im Camp angekommen sendeten wir Dankesgebete gen Himmel und rannten zum Shop, um uns mit Windhoek Lager zu beruhigen.

Praktischerweise öffnete der Laden, nachdem der Drive begonnen hatte und schloß, bevor man wieder da war.

Nach wütenden Protesten wurde der Laden doch noch mal geöffnet.

Neben unserem Auto hatten sich andere Leute hingestellt: die Gucchis.

Wir grillten.

Mein persönliches Fazit: das Waterberg-Plateau und den dazugehörigen Zeltplatz kann man sich getrost sparen.

Am Gamedrive sollte nur teilnehmen, wer kein Interesse an Tieren hat und vor allem wer mit dem Leben abgeschlossen hat.

 

Samstag 01.03.

 

Endlich verlassen wir das Negativ-Highlight des Urlaubs Richtung Windhoek. Markus möchte gern in die Pension Steiner, wahrscheinlich, weil er Fußball schauen möchte.

Uns ist der Tag allerdings zu schade, um ihn im nicht wirklich schönen Windhoek in einer 08/15-Pension zu verbringen.

Wir fuhren die dicht vor der Stadt gelegene Düsternbrook-Lodge an. Dort sollte es Leoparden- und Geparden-Game-Drives geben.

Zu unserem Erstaunen stellten wir fest, dass die Zimmer und vor allem der Drive ausgebucht waren. Schade, sah schön aus.

Als nächstes fuhren wir die Sundown-Lodge an. Die hatten nur noch ein Zimmer frei. Direkt nebenan lag die Immanuel-Wilderness-Lodge. Dort waren wir wieder mal die einzigen Gäste. Sehr schöne Lodge. Neben dem reetgedecketen Haupthaus ein gepflegter Pool. Etwas abseits die ebenfalls reetgedeckten Gästehäuser. Alles sehr sauber.

Wir gingen in den Pool und spielten mit den Kindern der Betreiber. Abends gab es Essen und wir unterhielten uns bis tief in die Nacht mit der Betreiberin und ihrer Tochter über, im wahrsten Sinne, Gott und die Welt.

 

Sonntag 02.03.

 

Uns wurde ein reichhaltiges Frühstück geboten. Eigentlich müssten wir um 10 die Zimmer räumen. Da wir erst um 16 Uhr bei Britz sein mussten, fragten wir, ob wir noch bleiben dürften. Kein Problem. Wir unterhielten uns lange mit der Tochter und dem Vater über die Zustände in Namibia.

Uns wurde sogar noch ein Mittagessen abgeboten, was wir dankend annahmen. Um 15.30 verabschiedeten wir uns. Was für ein netter Abschluß.

Die Rückgabe des Autos war gar kein Problem. Pünktlich erschien der Fahrer des Transfers zum Flughafen.

Jetzt hieß es warten. Wir spielten Uno.

Pünktlich um 21.30 hob der Flieger Richtung Frankfurt ab.

 

Namibia – wir kommen wieder!

 

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