Meine Liebe im Fußball gilt Borussia Mönchengladbach.
Warum ist man Fan einer Mannschaft, die wieder und wieder, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg, ums Überleben in der Bundesliga kämpft?
Dafür muss ich weiter ausholen.
Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre verbrachte ich viele Wochenenden bei meinen Großeltern in Kiel. Dort durfte ich wirklich alles – aber: am Samstag Abend ab 18.05 Uhr war für mich Funkstille – Sportschau!
Mein Opa erklärte mir den Unterschied zwischen den kleinen Weißen aus der kleinen, unbedeutenden Stadt und den großen roten Bayern: Gladbach hat kein Geld, Gladbach hat keine Lobby, bei Gladbach steht nicht der Erfolg im Vordergrund, sondern das geniale Angriffsspiel, Gladbach macht aus No-Names internationale Stars. Das verstand ich zwar anfangs nicht wirklich, fand es aber bewundernswert.
So begann ich, mich für diesen Verein zu interessieren – und stellte fest: mein Großvater hatte recht.
Mein erklärter Lieblingsspieler war Allan Simonsen, für mich der Inbegriff des unbekannten Spielers, der sich mühsam an die erste Elf herankämpft und es durch konstante Leistungen zum Fußballer Europas schafft. Trotzdem blieb er immer der zurückhaltende, ruhige Spieler. Meine Verbundenheit zu ihm wird durch meinem Nick „Simonsen“ im Forum der Gladbachfans deutlich.
Es war allerdings schwer für einen kleinen Kieler, die Mannschaft mal live zu sehen. Es blieben leider nur die Spiele beim HSV, ansonsten das Radio.
1978 nervte ich meine Eltern so sehr, dass die Familie eine Deutschlandreise machte, die mich zweimal an die heilige Stätte, den Bökelberg, brachte.
1978 ist mir besonders in Erinnerung geblieben, da ich nach unserem 6:2 Sieg im Volksparkstadion verprügelt wurde. Fassungslos musste ich am letzten Spieltag den legendären 12:0 Erfolg über Doofmund im Radio mitverfolgen, der dennoch nicht reichte.
Während der Bundeswehr-, der Lehr- und der Studienzeit verlor ich den Fußball etwas aus den Augen, zumal ich an Wochenenden eigentlich immer gearbeitet habe.
Erst mein Freund Markus, ein fehlgeleiteter Schalker, brachte mich wieder dazu. Er schenkte mir einen gemeinsamen Besuch am Bökelberg, über 20 Jahre nach meinem ersten Besuch dort. Es folgten noch weitere Besuche in dieser Saison.
Dann das Unfassbare: mein Verein stieg ab.
Da wusste ich, es muss etwas geschehen. Sofort trat ich dem Verein als Mitglied bei und kaufte eine Dauerkarte.
Dann folgten wieder die Momente, die Gladbach ausmachen und die die Werksangehörigen von VW und Bayer nie erleben werden: am letzten Spieltag der ersten Zweitliga-Saison verwandelten 20000 Gladbacher die Autobahn Richtung Nürnberg in ein schwarz-weiß-grünes Fahnenmeer, Gänsehautatmosphäre, als eben diese Fans lautstark die Mannschaft feierten, obwohl der Aufstieg verpasst war.
Tausende Fans, die an nasskalten Winterabenden unter der Woche den Verkehr in Reutlingen oder Ulm zusammenbrechen ließen. Die immer wieder geniale Stimmung bei Auswärtsspielen. Die vielen unterschiedlichen, tollen Leute, die man durch den Verein kennen lernte.
Und so verfolge ich die Spiele entweder auf Premiere oder bei der Arbeit im Videotext oder, leider viel zu selten, live im Stadion.
Aber eines ist sicher: in welcher Liga wir auch spielen – Gladbach war, ist und bleibt mein Verein.